Thorsten_Franck_3D-Druck

3D-Druck: Neues Potenzial für Handwerksbetriebe

Als Dienstleister für 3D-Druck spielen Handwerksbetriebe noch kaum eine Rolle. Dabei ist das Potenzial enorm. Denn längst sind Geräte auf dem Markt, die unterschiedlichste Materialien verarbeiten können. Auf der IHM gibt es interessante Beispiele.

„Das neue Handwerk“ – Revolutionärer 3D-Druck

Auch auf der Konferenz für Design und Handwerk – der „DESIGN PERSPEKTIVEN | 2016“ am 26. Februar 2016 stehen die Markenpositionierung sowie neue Materialien und Fertigungstechniken, insbesondere im Hinblick auf innovative Verfahren und Aspekte der Digitalisierung im Fokus. Da darf 3D-Druck natürlich nicht fehlen. Um 11.00 Uhr hält Thorsten Franck, TF_PRODUCTDESIGN, einen Vortrag mit dem Titel „Das neue Handwerk“: Der Spritzguss revolutionierte die industrielle Produktion, der 3D-Druck revolutioniert den Spritzguss – über Material, Technologie, Handwerk und serielle Herstellung.

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3D-Druck von Hockern und Trainingsbikes

Die Ausstellung „DESIGN PERFORMANCE | 2016“ präsentiert im Rahmen der MCBW Munich Creative Business Week im Foyer der Internationalen Handwerksmesse (Eingang West, kostenfrei) täglich von 09.30 – 18.00 Uhr ausgewählte Exponate, bei denen Materialität, innovative Herstellungsverfahren und besonders experimentelle Konzepte eine übergeordnete Rolle spielen. Es werden dabei  überraschende, zukunftweisende Lösungen gezeigt, die aus der Zusammenarbeit von Designstudios und Handwerksbetrieben entstanden sind.

Die Inszenierung zeigt Design als treibende Kraft für die Gestaltung handwerklich hergestellter Produkte, vielfach eng verzahnt mit innovativen Engineering-Leistungen. Der Fokus richtet sich zum einen in der Rubrik „Material & Fertigung“ auf gestalterisch besonders hochwertige, im Markt bereits erhältliche Produkte. Der Bereich „Entwicklung & Experiment“ erklärt hingegen Konzepte, Modelle und neue Fertigungsverfahren. Die Digitalisierung im Handwerk wird dabei immer wichtiger.

TF_PRODUCTDESIGN und die LUNAR EUROPE GMBH setzen bei ihren innovativen Herstellungsverfahren zum Beispiel auf digitalen 3D-Druck. Mit 7DAYS7STOOLS präsentiert TF_PRODUCTDESIGN wie im 3D-Druckverfahren ein Hocker entsteht (siehe großes Foto).

Die LUNAR EUROPE GMBH stellt mit VELA ein Trainingsbike für den Indoor-Einsatz in 3D-Druck her – beispielgebend für die aktuellen Modellbautechniken.

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Nicht ohne meinen 3D-Konfigurator

Auf dem „Land des Handwerks“, einer Fläche, die Vorzeigebetriebe aus der ganzen Bundesrepublik vereint, präsentiert sich u.a. die Firma FAUST Linoleum. Mit ihrem 3D-Konfigurator bindet das Unternehmen die Kunden bei der Gestaltung ihrer persönlichen (Wunsch-)Möbel mit ein – www.faustlinoleum.de

Ebenfalls per Online-3D-Konfigurator werden die Kunden von Holzgespür in die Gestaltung einbezogen. Das Unternehmen präsentiert sich auf der Sonderfläche Fokus. Handwerk 4.0 – www.holzgespuer.de

Estra-Tipp für alle Schleckermäuler: Wie digitale und vernetzte Produktion funktionieren, zeigt die Konditorei Cafe Baumann. Sie stellen ganz besondere Schokoladenformen mittels 3D-Druck her. Zu sehen ebenfalls auf der Sonderfläche Fokus. Handwerk 4.0 – www.cafebaumann.de

Faszination 3D-Druck

Vor drei Jahren kaufte sich Sebastian Bächer, Inhaber der Tischlerei Bächer Bergmann in Köln, den ersten 3D-Drucker. Seine Motivation: Neugier. „Ich war schon immer von computergestützten Maschinen fasziniert“, erzählt Bächer. „Besonders interessiert mich die Schnittstelle zum Handwerk, die meiner Ansicht nach noch in den Kinderschuhen steckt.“ Bis dahin hatte sich Bächer Auftragsarbeiten bei 3D-Druck-Dienstleistern erledigen lassen: Prototypen, Formen, Beschläge. Irgendwann keimte der Gedanke auf, die Technik in der eigenen Tischlerei auszuprobieren, trotz hoher Investitionskosten.

Tischler Sebastian Bächer nutzt seinen 3D-Drucker für Designstudien

Tischler Sebastian Bächer nutzt seinen 3D-Drucker für Designstudien

Der Schritt war naheliegend, denn der Tischlermeister ist zugleich Programmierer und Spezialist im 3D-Druck-Bereich. In seinem Betrieb entwirft und programmiert er Modelle für Designermöbel, Prototypen oder Skulpturen. Bächer ist längst keine Ausnahme mehr. Denn 3D-Druck ist schon viel verbreiteter, als viele annehmen: Tischler drucken Beschläge, Optiker fertigen individuelle Brillengestelle, Kraftfahrzeugmechatroniker  Scheinwerferhalterungen, und jeder, der mag, kann sich selbst im Miniaturformat ausdrucken. In Großstädten öffneten bereits erste 3D-Druck-Cafés, die günstig Drucke aus verschiedenen Kunststoffen und Holz offerieren. Neue professionelle 3D-Druck-Dienstleistungsanbieter, darunter IT-Experten, technikaffine Unternehmensberater, 3D-Druck-interessierte Privatleute, bieten inzwischen alles vom Computermodell einer Idee bis hin zum fertig ausgedruckten Gegenstand. Nur handwerkliche Betriebe sind noch eine Minderheit.

40 neue Anbieter im Monat

Die niederländische Internetseite 3dhubs.com ist Europas größte Plattform, auf der 3D-Druck-Anbieter ihre Dienste anbieten können. Jeder Besitzer eines Druckers, ob privat oder gewerblich, kann seine Leistungen hier ausschreiben und vermarkten – dafür erhält der Betreiber der Plattform 15 Prozent der über die Webseite generierten Umsätze als Provision. Rund 350 deutsche Anbieter haben sich bereits auf 3dhubs.com registriert, monatlich kommen 40 weitere hinzu. Damit rangieren die Deutschen, gemessen an der Gesamtzahl, hinter denen aus den USA und den Niederlanden auf dem dritten Platz. „Wir erwarten, dass Deutschland die Niederlande bald überholen wird“, sagt Filemon Schöffer, Geschäftsführer der Plattform. Wie viele handwerkliche Betriebe auf seiner Plattform registriert sind, weiß Schöffer nicht. Aber er schätzt, dass es ständig mehr werden. Für Handwerksbetriebe bedeutet das: In der Technologie steckt riesiges Potenzial.

Nur noch fünf Jahre soll es dauern, bis sich die 3D-Drucktechnologie endgültig im Alltag durchgesetzt hat, schätzen Analysten des IT-Marktforschungsinstituts Gartner. Schon jetzt sind Geräte auf dem Markt, die Objekte aus Metall, Holz, Keramik oder Gummi herstellen können. Das Marktvolumen soll bis 2018 auf weltweit 16,2 Milliarden US-Dollar anwachsen. Experten sehen heute bereits einen Jahresumsatz von 2,2 Milliarden US-Dollar. „Die 3D-Druck-Technik bietet sich immer an, wenn etwa nur wenige verschlissene Bauteile ersetzt werden müssen“, erklärt Rainer Gebhardt, 3D-Experte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). „Schon die Herstellung eines passenden Werkzeugs ist oft viel zu teuer und zu aufwändig.“ Auch Verschleißteile müssten künftig nicht mehr komplett ausgetauscht werden, wenn sie  abgenutzt sind.

3D-Druck erlaubt es, schichtweise neues Material aufzutragen. Im Maschinenbau arbeiten die Experten vor allem daran, industrielle Anwendungen weiterzuentwickeln. Wenn alles klappt, müssen Betriebe zukünftig kein breites Ersatzteil-Sortiment vorrätig haben, sondern lediglich die nötigen Computer-Daten für den Druck. Was gebraucht wird, wird ausgedruckt. Das spart Logistik und Lagerhaltung. Gerade Handwerksunternehmer könnten deshalb die Technologie viel umfassender einsetzen, als sie es bisher tun. Doch viele zögern noch. Experten sehen mehrere Gründe: Professionelle Drucker seien mit hohen Investitionen verbunden. Außerdem fehle oft Fachwissen, um effektiv mit der neuen Technologie umgehen zu können. „Betriebe brauchen immer noch viel Zeit, um zu entdecken, was mit 3D-Druckern möglich ist“, sagt Gebhardt.

Drei Wege für Handwerker

Für Handwerkerbetriebe gibt es drei verschiedene Wege, erste Erfahrungen mit dem 3D-Druck zu sammeln: Sie können einen Drucker anschaffen und nach Möglichkeiten suchen, die Maschine im eigenen Unternehmen einzusetzen. Oder sie beauftragen einen Dienstleister, Produkte und Einzelteile per 3D-Druck zu fertigen. Dritte Möglichkeit: Handwerksbetriebe schaffen einen Drucker an, werden selbst zum Dienstleister anderer Unternehmen – und generieren auf diesem Weg zusätzlichen Umsatz.

„Für uns ist die Technologie sehr interessant und das Potenzial noch längst nicht voll ausgeschöpft“, sagt Bächer. „Aber wir verdienen damit noch kein Geld.“ Der Hauptgrund: Für die Bedienung eines 3D-Druckers ist ein CAD-Zeichner nötig, der am Computer technische Zeichnungen erstellen kann. „Man benötigt mindestens ein bis zwei Personen, die mit der 3D-Technologie arbeiten, sonst sind die Drucker wirtschaftlich nicht tragfähig.“ Bächer hat das Problem in seinem Betrieb gelöst, indem er diese Aufgabe selbst erfüllt.

Michael Stange ist einer der Deutschen, die das Dienstleistungs-Geschäftsmodell bereits erfolgreich betreiben. Der Industriemechaniker und technische Zeichner baute in Stuttgart das Unternehmen Rioprinto.com auf. Kunden sind Architekturbüros, Modellbauer und Firmen aus der Automobilzulieferer-Branche. „Im Moment betreibe ich Rioprinto noch in Teilzeit“, berichtet Stange. „Aber die Zahl der Anfragen nimmt ständig zu. Viele kleine und mittelgroße handwerkliche Betriebe wollen von uns wissen, wie sie 3D-Druck für sich nutzbar machen können.“

Der Unternehmer bietet Expertenwissen im CAD-Bereich und kann so Skizzen und Ideen in einen 3D-Druck verwandeln. Mehrere Branchenverbände wollen Unternehmen in ihren Bemühungen, Know-how im 3D-Druck-Bereich zu sammeln, unterstützen und schaffen mit Netzwerken und Initiativen Schnittstellen zwischen Unternehmen und Experten. „Viele Unternehmen sprechen nicht gern über ihr Know how“, sagt Rainer Gebhardt. Aber: „Nicht alle denken so. Zum Glück.“

Brillen aus dem 3D-Drucker

Brille aus dem 3D-Drucker

Brillen aus dem 3D-Drucker: Thomas Heiliger arbeitet an einer Geschäftsidee der Zukunft.

In Aachen arbeitet Thomas Heiliger an einer Geschäftsidee der Zukunft und verleiht Brillen damit eine ganz besondere Note.

Die Skyline von Aachen hätte Thomas Heiliger gern auf den Brillenbügeln aus dem 3D-Drucker gesehen. Doch nicht jede gute Idee, die der Augenoptikermeister in das Forschungsprojekt der FH Aachen einbrachte, ließ sich sofort technisch umsetzen. Gemeinsam entwickelt wurde der Prototyp einer Brillen-Verkaufsstation der Zukunft, an der sich der Kunde seine Sehhilfe nach eigenen Wünschen zusammenstellen kann.

Zuerst wählt der Kunde eine schon vorgefertigte Brillenfassung aus, dann die Form, Farbe und Material der anklickbaren Bügel. Über eine App auf dem Computer lassen sich die Bügel noch mit einem Schriftzug individualisieren. Anschließend wird das Unikat sofort auf einem 3D-Drucker ausgedruckt.

Entwicklung 3D-Druck

Entwicklung des 3D-Druck
Grafik: handwerk magazin

„Als Mittelständler habe ich selbst keine Möglichkeit, in die Forschung zu investieren“, sagt Heiliger, der mit „Heiliger Optik Akustik“ einen Familienbetrieb mit zwölf Mitarbeitern an drei Standorten führt. Darum stimmte er sofort zu, als die Wissenschaftler an der FH Aachen ihn baten, ein Konzept für ein visionäres Brillenverkaufstool zu erstellen.

Das Ergebnis wurde dieses Frühjahr bereits auf der IT-Messe CeBIT und auf der Hannover Messe ausgestellt. Heiliger selbst will es seinen Kunden voraussichtlich im Herbst während einer „Woche der Zukunft“ präsentieren und erste Meinungen einholen. Zwar ist das System noch nicht marktreif, aber es zeigt, wohin die Reise gehen wird. Auch wenn zurzeit noch einiges per Hand am Ausdruck nachgearbeitet werden muss. So könnten die Brillen-Druckaufträge an einen 3D-Druckdienstleister gehen, der mit professionelleren Maschinen ausgestattet ist. Heiliger bleibt mit Sicherheit am Ball. „Ich werde weiter mit der Hochschule zusammenarbeiten und selbst gezielt investieren.“

Der 35-Jährige plant, einen Brillen-3D-Druck-Store ins Leben zu rufen. „Ich hoffe in zwei bis drei Jahren, es kann auch länger dauern.“

 

 

 

 

 


 

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Foto: Matthias Jung
Text: Josephine Papst // Christiane Klebig