Als Export-Vorführfahrzeug ist dieses HLF 20 von Lentner mit gelber Folie beklebt.

Digitalisiertes Feuerwehrauto: Mit Hightech zum Erfolg

Selbst ausgefallene Kundenwünsche erfüllen, Servicezeiten verkürzen, Kosten senken und gleichzeitig den China-Export stärken – auf der Internationalen Handwerksmesse zeigt der Feuerwehrfahrzeug-Hersteller Lentner, welche Chancen die Digitalisierung dem Handwerk bietet und wie gleichzeitig die Kunden darau profitieren können.

Einen Eyecather der besonderen Art finden Besucher in Halle C3 bei den Bayerischen Handwerkskammern. Diese präsentieren ein großes Feuerwehrfahrzeug aus dem Hause Lentner. Das Besondere an diesem Fahrzeug: Es kann weltweit vom Firmensitz in Hohenlinden aus digital gewartet werden.

Warum ist das für Handwerksbetriebe interessant?

Die Fahrzeugschmiede zeigt, wie sich Handwerker durch innovative Digitalisierungslösungen gegenüber großen Unternehmen – auch auf internationaler Ebene – durchsetzen können. Lentner nutzt die Vorzüge der Digitalisierung in allen wichtigen Bereichen. Angefangen bei der Positionierung im Markt als Hersteller kundenindividueller Feuerwehrfahrzeuge und bis zur Fernwartung, mit der der Kundenservice rascher und kostengünstiger wird. Auch künftigen Anforderungen sieht das Unternehmen dank einer soliden elektronischen Basis gelassen entgegen, da sich innovative Ideen wesentlich einfacher realisieren lassen.

Individualfertigung statt Serienfertigung

Fertigungsstraßen im Werk der Firma Lentner

Fertigungsstraßen im Werk der Firma Lentner

„Wir sind die innovative Fahrzeugschmiede für anspruchsvolle Feuerwehren,“ sagt Mathias Hausmann, der Geschäftsführer und Inhaber von Lentner. „Die Großen im Markt mit ihrer fast schon industriellen Serienfertigung können nicht so individuell auf die Wünsche der Feuerwehren eingehen wie wir. Das ist die große Chance, die wir unter anderem auch durch die Digitalisierung genutzt haben“. Bei Lentner gibt es keine Serie. Jedes Feuerwehrfahrzeug wird als Einzelstück nach den Anforderungen der Feuerwehr maßgeschneidert.

Digitale High-Tech analog bedienbar

Kleine-Display-Fernsteuerung

Kleine Display-Fernsteuerung

Feuerwehrleute sehen zunächst nur die solide Verarbeitungsqualität. Das CAN-Bus-System Lentner L-tronic, das die vielen verschiedenen Funktionen des Fahrzeugs steuert, wirkt im Verborgenen. Dieses stellt jedoch das eigentliche Herzstück des Fahrzeugs dar. Hier können durch entsprechende Programmierung die individuellen Wünsche verwirklicht werden: Etwa eine Umfeldbeleuchtung bei langsamen Rückwärtsfahrten oder eine vom Kunden definierte Steuerung der Schaumlöschsysteme.

Bedient werden die Funktionen wahlweise durch handschuhtaugliche LCD-Displays oder herkömmlich durch Kippschalter. Diese Wahlmöglichkeit sieht der Hersteller als wichtigen Punkt der Digitalisierung: Das Fahrzeug soll zwar in seinem Kern modernste IT-Technik nutzen, aber an der Oberfläche ganz einfach bedienbar sein. Deshalb sollen auch künftig neben LCD-Displays immer klassische Bedienelemente wie Kippschalter angeboten werden. „Ganz wichtig ist,“ so Hausmann, „wir bieten in jedem Fall auch eine mechanische Rückfallebene.“ Sollte es bei der Elektronik mal Probleme geben, können die Feuerwehrleute mit mechanischer Bedienung weiterarbeiten.

Fernwartung ist Standard

Durch Fernwartung der Feuerwehrfahrzeuge reduziert der Hersteller nicht nur Kosten, sondern schont auch die Zeitressourcen seiner Mitarbeiter. Die Feuerwehren widerum profitieren, weil ihnen noch rascher geholfen werden kann. Den Durchbruch brachte die neue CAN-Bus-Steuerung Lentner L-tronic, die seit Mitte 2014 zum Einsatz kommt. Bei technischen Problemen an einem Fahrzeug fährt nur noch der Servicetechniker zu den Feuerwehren. Der CAN-Bus-Experte bleibt im Werk in Hohenlinden und kann sich bei Bedarf per Fernzugriff mit dem Fahrzeug verbinden. So werden Fehlermeldungen ausgelesen, Einstellungen verändert und Störungen behoben.

China-Export auch fürs Handwerk

Das Beispiel der Firma Lentner zeigt: Chinesische Märkte sind nicht nur für die deutsche Industrie hochinteressant, sondern auch für größere Handwerksbetriebe. Zum einen wird die Qualität made in Germany im Reich der Mitte hoch geschätzt, zum anderen ist sie dank moderner Hochsee-Logistik in vielen Fällen auch preislich wettbewerbsfähig. Was als Herausforderung bleibt, ist der Kundenservice. Auch hier kommt dem Fahrzeughersteller die Fernwartung zu gute. Servicetechniker des chinesischen Partnerunternehmens fahren vor Ort zu den Feuerwehren und der CAN-Bus-Programmierer in Hohenlinden verbindet sich mit dem Fahrzeug. So ist für Lentner die Feuerwehr in Shanghai auch nicht weiter weg als die Nachbarwehr in Hohenlinden.


 

Stand: Halle C3, Stand 169