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Fokus. Handwerk 4.0: Nutzen Sie die Kammerberatung

Die Digitalisierung der Arbeitswelt schreitet voran, auch und gerade im Handwerk. Die Sonderfläche „Fokus. Handwerk 4.0“ gibt Impulse für alle, die jeden Tag die digitale Gegenwart gestalten.

Egal ob Fachforum oder direkte Gespräche mit unabhängigen Betriebsberatern, die ganz praxisnah Tipps für Handwerksunternehmer bereithalten: Auf „Fokus. Handwerk 4.0“ erfahren Sie, welche Vorteile die Digitalisierung Ihnen in Ihrer täglicher Arbeit und für die Zukunft bietet. Ob IT-gestützte Geschäftsmodelle, Prozessmanagement, Produktion oder Kommunikation: Zu allem gibt es konkrete Aussagen, die Ihnen weiterhelfen.


Das komplette Programm des „Fokus. Handwerk 4.0“ auf der Internationalen Handwerksmesse finden Sie hier.


So melden Sie sich zur individuellen Beratung zum Thema Digitalisierung an

Digitalisierung spielt im Handwerk eine immer wichtigere Rolle. Melden Sie sich über das Kontaktformular zu den individuellen Beratungen durch einen unabhängigen Berater des HPI Instituts (Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik an der Leibniz Universität Hannover) im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse 2016 an.

Die Beratungen finden auf der Sonderfläche „Fokus. Handwerk 4.0“ in Halle C2 und in der Lounge „Treffpunkt Handwerk“ im Haupteingang West statt.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Teilnahmeplätze sind limitiert. Sie erhalten nach Eingang Ihrer Anmeldung eine Bestätigung per E-Mail mit allen relevanten Informationen.


Vereinbaren Sie jetzt einen Beratungstermin unter www.ihm.de/fachbesucher/beratung-zur-digitalisierung


Die Tücken falscher Beratung

Wie wichtig eine fachmännische und seriöse Beratung für Handwerksunternehmer ist, und wie es nicht laufen sollte, zeigen unsere Beispielfälle. Schlechte Erfahrungen mit Consultants und Be­ratungsunternehmen kann man vermeiden. Denn schwarze Schafe lassen sich leicht entlarven, wenn man weiß, worauf man achten muss.

An Versprechen hat es nie gemangelt. „Schon der erste Berater dieser Firma wollte jede Menge Töpfe entdeckt haben, aus denen man schöpfen könne“, berichtet Susanne Holl, Mitinhaberin der Firma Elektro Holl in Neusäß bei Augsburg. Doch das war erst der Anfang einer Odyssee schlechter Erfahrungen und Enttäuschungen für die erste Vorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk der Region Augsburg. Denn um die Töpfe auszuschöpfen, wollte der Consultant der Unternehmensberatung aus Norddeutschland (Name der Redaktion bekannt) schnell weitere Spezialisten hinzuziehen. Zuerst sollte ein Controlling-System eingeführt werden. Dann ein Reporting. „Es wurden Vergleichszahlen erstellt und dann Budgetzahlen bis fünf Jahre in die Zukunft erarbeitet. Das sollte uns den Griff in die Töpfe ebnen“, berichtet Unternehmerin Holl.

Beratung ohne Wert

Doch daraus ist nichts geworden. Rund 13 000 Euro kostete die Firma Elektro Holl schließlich die Arbeit der Spezialisten. Und diese Arbeiten bestanden im Wesentlichen aus Excel-Tabellen, die heute ungenutzt und wertlos auf einer Festplatte eines Bürorechners liegen. Eine Ausgabe, die man sich hätte sparen können.

Rund 15 300 Beratungsfirmen beschäftigen in Deutschland etwa 122 500 Mitarbeiter, davon 98 250 Berater. Etwa 23,7 Milliarden Euro setzte die Beraterbranche in Deutschland im letzten Jahr laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. um. Zur Branche werden sowohl beratende Einzelkämpfer gezählt als auch Niederlassungen weltweiter Networks mit tausenden Mitarbeitern.

Nicht mitgezählt sind die 890 Betriebsberater der Handwerksorganisationen, von denen 620 Berater in den Handwerkskammern beschäftigt sind. Im Gegensatz zu den freien Beratungsunternehmen findet hier eine regelmäßige Überprüfung der Beratungsleistung in Form von Umfragen statt, in der die Betriebsberater exzellent abschneiden: In 2012 bewertete 67 Prozent der Beratenen die Beratungsleistung mit „sehr gut“, 32 Prozent mit „gut“, zusammen ergab das 99 Prozent. Nur ein Prozent fand die Beratung „weniger gut“, schlecht bewertete niemand. Negative Erfahrungen sind auch bei den freien Beratern und Firmen eher die Ausnahme. Die meisten arbeiten seriös. Doch eine Branche, die laut BDU ihr Geschäftsklima seit 2010 bis Ende 2013 als rückläufig einschätzt, produziert auch schwarze Schafe.

Nicht nur Susanne Holl kann davon ein Lied singen. Bei Gabriele Wildgruber nahmen die Empfehlungen sogar bizarren Charakter an. Der Chefin des SHK-Betriebs Wildgruber GmbH in Finsing bei München rieten freie ­Berater nach dem Ausfall von zwei Kunden zu einer formellen Scheidung, um eine Immobilie zu schützen. Die Unternehmerfrau lehnte empört ab. Zu Recht.
„Man kann unseriöse Kollegen mitunter sehr früh erkennen, zumindest gibt es eindeutige Hinweise“, sagt der auf das Handwerk spezialisierte Marketingberater und Holzmann-Buchautor Hubert Baumann aus Haibach bei Aschaffenburg. „Allein schon die Kaltakquise am Telefon sollte der Angerufene als Alarmsignal werten.“ Wer als Berater seriös sei, könne sich darauf verlassen, von zufriedenen Kunden weiterempfohlen zu werden.

Falsche Versprechen

Auch die Eigendarstellung liefert erste Hinweise: Unternehmensberatungen, die mit flotten Sprüchen wie etwa „Drei neue Kunden am Tag“ oder „Kunden gewinnen auf Knopfdruck“ werben, die gelungene Marketingtexte „aus dem Hut zaubern“ und alles „automatisch erledigen“ wollen, darf man getrost als dubios einstufen. Denn Patentlösungen gibt es nicht. Schon gar nicht im Handwerk. Speziell dort treten überwiegend individuelle Problemlagen auf, deren Lösung etwa eine vorherige Analyse zwingend macht. Aus diesem Grund sind meist auch alle Versprechen von mehr oder gar garantiertem Umsatz oder steigendem Gewinn alles andere als verlässlich. Ebenso die Aussicht auf die Beschaffung neuer, ungenutzter oder sogar geheimer Fördertöpfe. So müssen etwa besonders EU-Mittel meist co-finanziert werden. Bedeutet: Die Hälfte der Investitionsmittel ist selbst aufzubringen, erst dann schießt die EU die andere Hälfte dazu. Fördermittel des Bundes oder der Länder sind ohnehin meist nur in Zusammenarbeit mit der Hausbank zu bekommen. Die dortigen Experten verfügen meist über den besten Überblick.

Auch die bisherigen Kunden geben wichtige Hinweise: „Der Unternehmensberater muss bei der Frage nach Referenzkunden und Referenzprojekten ohne zu zögern drei Beispiele nennen können“, meint Baumann. Man solle sich auch das Einverständnis geben lassen, einen oder mehrere Referenzkunden anzusprechen und nach deren Erfahrungen mit dem Berater zu fragen. Anschließend sollte man die Erwartungshaltung klären. Das kann auch schon vor dem Auftrag geschehen und etwa eine Auftragsbestätigung inhaltlich vorbereiten. Ziel und Auftrag ebenfalls schriftlich fixieren. „Das vermeidet spätere Diskussionen, was gesagt oder was gemeint wurde“, rät Baumann. Viele Werbeagenturen schicken ihren Kunden ein sogenanntes „Rebriefing“, in dem beschrieben ist, wie sie den Auftrag verstanden haben. Auch das soll ein Instrument sein, die Kommunikation zu optimieren, und soll helfen Missverständnisse auszuschließen. Aber auch später empfehlen sich schriftliche Protokolle.

Keine neue Kunden über Nacht

Nicht selten werden Möglichkeiten und Wirksamkeit der Berater überschätzt. Oder sie werden an der falschen Stelle eingesetzt. Ein Strategieberater kann kaum helfen, wenn es um eine Marketingkampagne oder um Öffentlichkeitsarbeit geht. Ein auf Marketing spezialisierter Consultant kann kaum etwas tun, wenn Konzept oder Geschäftsmodell nicht stimmen. Und selbst wenn: Über Nacht Kunden herbeizuzaubern, dazu ist auch er nicht in der Lage. In welchem Feld die Expertise des Beraters besteht, lässt sich durch die Referenzprojekte klären.

Doch noch grundsätzlicher gilt: Von Sanierungsexperten abgesehen, kann kaum ein Berater kurzfristig helfen, wenn einem Betrieb das Wasser bereits bis zum Hals steht. Dazu ist ihr Instrumentarium nicht geeignet. „Unternehmensberater sind keine Zauberer, die Umsatzkrisen auf Knopfdruck beheben können“, sagt auch Hubert Baumann.

Da viele Kunden kein wirklich klares Bild von Tätigkeit und Methoden der Berater besitzen, werden sehr schnell Fantasien projiziert. Und deshalb wird nach etwas Handfestem gesucht, etwas Konkretem. Baumann: „Drei Neukunden pro Tag ist eben etwas Greifbares, auch wenn es wenig realistisch ist“.

Lösungen gibt es immer

Dabei liegt das Know-how der meisten Berater in zwei Bereichen. Erstens: Methodenkompetenz. Sie beschreibt, wie etwas optimal gemacht wird, wie man richtig vorgeht. Und zweitens: Wissen um Benchmarks. Bedeutet: die Erfahrungen anderer Firmen mit bestimmten Themen oder ähnlichen Aufgabenstellungen. Letzteres lässt sich ebenfalls über die Referenzen sehr gut abfragen. So hat auch die Krise, in der dann gerne Unternehmensberater zur Hilfe gerufen werden, eine innere Ordnung, die man methodisch auffächern kann: Am Anfang steht die Strategiekrise, aus ihr erwächst eine Rentabilitätskrise, der eine Erfolgskrise und schließlich die Liquiditätskrise folgt.

Doch auch wenn Berater aus erfreulicheren Anlässen wie etwa Optimierungs- oder Expansionsberatung gerufen werden, bei jedem Projekt kann einmal etwas schiefgehen. Entscheidend ist es dann, wie der Berater mit dieser Situation umgeht, sagt Baumann: „Eine Lösung für einen Konflikt gibt es immer“.

Tipp: Betriebsberater sind Ersthelfer

„Sollte man in Schieflage kommen, dann helfen die Handwerkskammern weiter“, sagt Susanne Holl. Deren Beratung ist bis zu vier Manntagen überwiegend kostenlos. Anschließend empfehlen die Betriebsberater einen kompetenten freien ­Berater. „Viele Betriebsberater haben außerdem auch bei den örtlichen Banken einen guten Namen“, rät die Unternehmerfrau.

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