Interaktive Website

Interaktive Website: So wecken Sie den Spieltrieb Ihrer Kunden

Ideen einbringen, Fragen stellen, Spaß haben, die Meinung äußern und diskutieren: Die Kunden suchen im Netz heute mehr als reine Fakten. Wie Ihre interaktive Website zum lebendigen Treffpunkt wird.

Seit Jens Neumann vor vier Jahren Facebook für sich entdeckte, geht auf seinem Account in dem sozialen Netzwerk die Post ab. Ob Erlebnisse auf Baustellen, interessante neue Materialien oder gute Leistungen der Auszubildenden: Was dem Malermeister aus dem niedersächsischen Garrel in seinem Berufsalltag wichtig erscheint, teilt er der Internetgemeinde hier auf originelle und spontane, oftmals auch witzige Weise mit. Jüngster Hit ist seine Malerhymne „Farbenfroh durch den Tag“, die er als Video online stellte.

Ein toller Erfolg, bei dem die eigene Website zunächst ins Hintertreffen geriet. „Unser Online-Auftritt bestand bis vor Kurzem aus vier Seiten und war ziemlich veraltet“, gesteht der Firmenchef. Das lag nicht nur daran, dass der Facebook-Account ihn viel Zeit kostete, sondern auch an der veralteten Technik der Website. Für jede Änderung brauchte Neumann eine Agentur zur Umsetzung, bei Facebook konnte er einfach loslegen.

Lange Zeit schien die gut frequentierte Facebook-Seite zudem die Funktion der Website recht gut auszufüllen. Doch Neumann blieben auch die Grenzen des sozialen Netzwerks nicht verborgen: „Facebook ist schnelllebig, nur das Aktuellste steht oben. Was vor einigen Wochen oder Monaten war, wird für den Nutzer in der Chronik praktisch unsichtbar.“ Um Informationen zum Team, den Referenzen, Technologien und Problemlösungen, die den Malerbetrieb von der Konkurrenz unterscheiden, strukturiert zu präsentieren, entschloss sich der Chef von sechs Mitarbeitern, die Vorzüge aus beiden Welten zu verbinden.

Tolle Basis für die Kundenberatung

Für Malermeister Jens Neumann aus Garell bei Cloppenburg sind Web-Auftritt und Social Media eine ideale Kombination.

Für Malermeister Jens Neumann aus Garell bei Cloppenburg sind Web-Auftritt und Social Media eine ideale Kombination.

Auf der Suche nach einer geeigneten technischen Lösung wurde er durch die Empfehlung eines Lieferanten schließlich auf den Homepage-Baukasten „web4business“ aufmerksam. Dank eigener Bausteine für interaktive Funktionen können Besucher des von Grund auf renovierten Web-Auftritts jetzt stets sofort die neuesten Facebook-Einträge sehen und mit einem Klick dorthin springen.

Zu einer Attraktion entwickelt sich außerdem der Farbdesigner des Herstellers Brillux, den Neumann auf der Startseite platziert hat: Mit dem Tool können Besucher die Farbgebung von Fassaden oder Räumen virtuell verändern. Das funktioniert sogar mit einem selbst hochgeladenen Foto und hilft laut Neumann vielen Laien, sich die Wirkung einer Farbe im Raum vorzustellen. Ein Kunde brachte neulich die Ergebnisse des Selbstversuches zum Gespräch mit, wie der Firmenchef berichtet: „Eine tolle Ausgangsbasis für eine fundierte Beratung.“

„Die Menschen wollen spielen“, weiß Unternehmensberaterin Anne M. Schüller (München), Deutschlands führende Expertin in Sachen Kundenbindung und Empfehlungsmarketing. Wobei „Spielen“ keineswegs im Sinne von stupidem Zeitvertreib misszuverstehen sei. „Einfach irgend ein Daddelspiel, wie vor Jahren üblich, auf die Homepage zu stellen, bindet keine Kunden“, räumt sie mit einer verbreiteten Illusion auf. „Bieten Sie Interessenten stattdessen die Chance, sich spielerisch mit Ihren Produkten und Dienstleistungen auseinanderzusetzen, sich daran auszuprobieren, sich zu beweisen, vielleicht sogar mit anderen zu messen“, rät sie Unternehmern: „So haben Sie beste Chancen, Ihre Marke positiv in den Köpfen zu verankern“.

Klick-Rekord bei Bekenneraktion

Eine These, die man in der Hütt-Brauerei im hessischen Baunatal nur bestätigen kann. Als das 40 Mitarbeiter zählende Unternehmen vor zwei Jahren zur „Bekenneraktion“ für ihr Naturtrübes Bier aufrief, schnellten die Besucherzahlen auf huett.de von den üblichen 6000 bis 10 000 pro Monat bis um das 30-Fache in die Höhe. „Wir hatten den Menschen einfach die Möglichkeit gegeben, auf unserer Website das Werbeplakat für unser Naturtrüb mit einem eigenen Bild und eigenem Text auszustatten“, beschreibt Geschäftsführer Frank Bettenhäuser das Konzept. „Wir wurden von mehreren Hundert Entwürfen förmlich überrollt“, freut sich der Firmeninhaber, „die besten haben wir prämiert und mehrere in Anzeigen sowie bei anderen Anlässen für unser Marketing eingesetzt“.

Seit 2010 baut die Brauerei ihre Website immer mehr zu einem Mitmach-Portal aus. „Das ist eine Reaktion auf die Tatsache, dass unsere wichtigste Kundengruppe, die 18- bis 45-Jährigen, immer seltener Tageszeitungen lesen“, erklärt Bettenhäuser, der den Familienbetrieb bereits in neunter Generation führt: „Wir mussten deshalb andere Wege finden, um besonders die Jüngeren über unsere Produkte und Aktivitäten auf dem Laufenden halten zu können.“ Der interaktive Web-Auftritt hat laut Bettenhäuser dabei eine wichtige Funktion.

Vielfalt bringt Kunden

So steht etwa in diesem Sommer eine Kronkorken-Auktion in der Rubrik „Erlebnis“ ganz oben: Dabei können Biertrinker mit Codes aus Verschlüssen „besondere Augenblicke“ wie Kurzurlaube, Gleitschirmflüge oder Segeltörns ersteigern. Ein Bundesliga-Tippspiel lenkt nach Bettenhausers Angaben während der Fußballsaison bis zu 1500 Nutzer pro Monat zusätzlich auf die Seite. Darüber hinaus haben Surfer zum Beispiel Gelegenheit, Brauereiführungen oder Events in der kürzlich eröffneten Brauwerkstatt zu buchen, elektronische Postkarten zu versenden, einen Hütt-Song oder Checklisten für Familienfeiern herunterzuladen.

„Demnächst möchten wir unsere Aktivitäten in den sozialen Netzwerken weiter ausbauen“, blickt Bettenhäuser voraus, „dafür recherchieren wir derzeit, welche Portale neben Youtube und Facebook bei unseren unterschiedlichen Zielgruppen angesagt sind“.

Malermeister Jens Neumann hat sich vorgenommen, den Mitmach-Charakter seines neu gestalteten Auftritts durch das Platzieren von Social-Network-Buttons neben bestimmten Inhalten noch weiter zu verstärken. Auch die Integration einer Online-Terminvergabe für Stammkunden hält er für eine sinnvolle Idee. „Für Hausverwaltungen oder Firmenkunden, die regelmäßig bestimmte Leistungen abrufen, wäre das ein echter Mehrwert.“

Expertentipp: Die Neugierde wecken

Anne M. Schüller, Beraterin und Autorin, gibt Tipps fürs Empfehlungsmarketing.

Anne M. Schüller, Beraterin und Autorin, gibt Tipps fürs Empfehlungsmarketing.

Anne M. Schüller, Deutschlands führende Expertin im Empfehlungsmarketing, erklärt, wie Sie Web-Besucher als Fürsprecher gewinnen.

  • Neugier und Spieltrieb

Sprechen Sie Neugier und Spieltrieb Ihrer Besucher an! Menschen sind gern Tester, Produktverbesserer oder Helfer. Umfragen, Abstimmungen oder Bewertungen lassen sich leicht in Webseiten einbinden.

  • Firmenhistorie

Machen Sie Ihre Firmenhistorie, die Produkte und Ihr Team durch Geschichten erlebbar! Berichten Sie spontan von Erlebnissen auf der Baustelle oder im Laden. Nutzen Sie Videos, Grafiken, Bilder. Emotionen sind der wirkungsvollste Antrieb für die Weitergabe von Inhalten.

  • Reale Welt

Holen Sie Ihre Website in die reale Welt! Stellen Sie ein Tablet mit der voreingestellten Bewertungsseite oder dem Gästebuch Ihrer Firma im Geschäft auf. Bitten Sie Kunden, direkt vor Ort ihre Meinung abzugeben

  • Anreize zum Mitmachen

Setzen Sie Anreize zum Mitmachen! Bieten Sie aktiven Seitenbesuchern für deren Mühe eine angemessene „Belohnung“. Bei einer aufwändigen Kundenbefragung oder einer Newsletter-Anmeldung ist ein Gutschein durchaus angemessen.

  • Kontaktdaten

Verstecken Sie Ihre Kontaktdaten nicht im Impressum, sondern präsentieren Sie diese auf jeder Unterseite möglichst ganz oben. Fragen Sie in Formularen nur so wenige Daten wie unbedingt nötig ab, das erhöht die Teilnehmerquote.

Fahrplan: So wird Ihre Website interaktiv

Die notwenidge Interaktion lässt sich auf verschiedenen Wegen erreichen. Wir stellen die für Handwerksunternehmer wichtigsten Programme und Tools vor:

  • Weblogs (kurz: Blogs)

Zahlreiche Website-Baukästen  wie jimdo, 1&1 und andere bieten integrierte Blogging-Funktionen. Wer einen solchen Baukasten für seine Website nutzt, kann diese somit recht einfach um ein Internettagebuch erweitern. Allerdings sind die Möglichkeiten des Kommentierens, Bewertens oder Teilens nicht bei jeder dieser Lösungen so ausgeprägt wie etwa bei WordPress, dem Flaggschiff unter den Blogging-Systemen. Wer auf dessen Stärken setzen möchte, kann entweder seine komplette Firmen-Website mit WordPress aufbauen (auf Wunsch sogar auf den Servern von WordPress) oder einen WordPress-Blog getrennt von der eigentlichen Website starten. Dieser lässt sich durch Verlinkungen, Widgets (programmierte Fenster, wie sie zum Beispiel in vielen Website-Baukästen enthalten sind) oder RSS-Feeds (Nachrichten-Ticker) in die klassische Firmen-Website einbinden.

  • Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke als Kern des modernen „Mitmach-Internets“ sind ein Schlüssel, um Websites bekannter zu machen. Facebook zum Beispiel bietet Website-Betreibern eine Fülle von Tools, mit denen sich Website und Facebook-Seite verknüpfen lassen. Dazu gehören zum Beispiel das Page Plugin (eine Art Multifunktionsleiste mit mehreren Social-Media-Funktionen), Like- und Share-Buttons und andere Bausteine, die sich in Websites einmontieren lassen. Youtube-Videos können mit wenigen Mausklicks in eine Website integriert werden: Anleitungen dazu liefert das Google-Tochter-Unternehmen sogar auf Deutsch. Videos verbessern nicht nur das Ranking bei Suchmaschinen. Sie werden von Surfern auch bevorzugt angeklickt, können auf Youtube bewertet und kommentiert werden. Praktisch alle sozialen Netzwerke – von Instagram über Xing bis LinkedIn – lassen sich durch Buttons, Widgets und Plugins an verschiedensten Stellen in die Website einbinden.

  • Abstimmungen und Umfragen

Abstimmungen und Umfragen helfen Website-Betreibern, ihre Besucher besser kennenzulernen und ihnen durch Mitwirkungsmöglichkeiten Wertschätzung entgegenzubringen. Für einfache Votings (Fragen mit Multiple-Choice-Antworten) halten viele Website-Baukästen, aber auch Content-Management-Systeme wie WordPress Widgets oder Plugins bereit, die mit wenig Aufwand auf der Website platziert werden können. Auch mit dem Formular-Werkzeug von Google lassen sich Umfragen gestalten und auf der Website implementieren. Umfangreichere Kundenbefragungen können zum Beispiel mit dem Schweizer Portal www.onlineumfragen.com zu akzeptablen Kosten (ab 2 Cent pro Antwort) via Internet in die Tat umsetzen.

  • Bewertungen

Bewertungen von Produkten und Dienstleistungen erfreuen sich im Netz besonders großer Beliebtheit. Handwerker sind gut beraten, offensiv damit umzugehen. Gute Bewertungen sind als Türöffner für Kunden wie auch Suchmaschinen von großem Wert. Schaffen Sie deshalb gezielt Möglichkeiten für Kunden, ihr Unternehmen zu bewerten. Zum Beispiel, indem Sie Ihre Firma bei Google My Business (früher Google Places) registrieren und hier, ebenso wie auf Ihrer Facebook Fanpage, Bewertungen zulassen. Empfehlenswert sind auch angesehene Bewertungsportale wie www.kennstdueinen.de. Ermuntern Sie zufriedene Kunden, sich in diesen Portalen zu äußern. Die hier gesammelten Bewertungsergebnisse können in der Regel in Form von Sternen und Qualitätssiegeln werbewirksam auf der Website platziert werden.

  • Foren

Foren sind Diskussionsangebote im Netz. Und eine gute Chance für Experten, mit Kompetenz und Serviceorientierung Kunden zu begeistern sowie in Suchmaschinen weit vorn zu landen. Allerdings erfordert die Moderation und laufende Betreuung einiges an Zeit. Sollte Ihr Website-Baukasten oder Ihre Website-Software keine geeignete Technologie dafür bereit halten, finden Sie im Netz eine Fülle von Dienstleistern wie zum Beispiel ForumProfi oder Xobor, die sehr ausgereifte Software mit komfortablen Verwaltungs- und Auswertungsfunktionen, Spamschutz und sogar Newsletter-Tools bereit halten. Kostenlose Foren werden von den Hostern meist über Werbeeinblendungen finanziert und sind bei vielen Anbietern in ihrer Funktionsbreite eingeschränkt. Die Einbindung in die eigene Website kann z.B. durch simples Kopieren und Einfügen eines vom Foren-Hoster bereitgestellten HTML-Codes (sprich: einigen Zeilen Programmtext) in die Website.

  • Chats

Chats sind Live-„Gespräche“ per Tastatur – im Gegensatz zu Foren, bei denen Fragen und Antworten oft zeitversetzt ausgetauscht werden. Chats eignen sich damit als Instrument zur Echtzeit-Kundenbetreuung oder auch als Marketing-Instrument (z.B. als Messe-Chat zu ausgewählten Fachthemen). Chatfunktionen können, falls die eigene Website-Software sie nicht bereit hält, auch extern ergänzt werden. So bietet das Forenportal Xobor in seinen kostenpflichtigen Tarifen für Foren (ab 4,95 € monatlich) eine Chatfunktion. Darüber hinaus gibt es auch Chat-Spezialisten wie www.webkicks.de. Achten Sie bei der Auswahl der Foren- und Chatdienstleister unbedingt auf hohe Datenschutz-Standards. Informationen, die zum Beispiel in geschlossenen virtuellen Räumen ausgetauscht werden, dürfen unter keinen Umständen nach außen dringen.

  • Online-Kalender

Online-Kalender ermöglichen es Kunden, verfügbare Termine auf der Website einzusehen und gegebenenfalls verbindliche Buchungen ohne nochmalige Rücksprache vorzunehmen. Die einzelnen Termine müssen dafür entweder – bei einfacheren Lösungen – von Hand eingepflegt werden (was in der Regel sehr aufwändig und fehleranfällig ist). Höher entwickelte Tools wie zum Beispiel www.terminland.de ermöglichen die automatische Synchronisation mit dem elektronischen Firmenkalender. Auch ein Google-Kalender lässt sich für einen kundenfreundlichen Service auf der Website nutzen, wie diese Anleitung des Suchmaschinenbetreibers zeigt.

  • Konfiguratoren

Konfiguratoren erlauben es Kunden, komplexe Produkte (zum Beispiel Autos, hier ein Beispiel von Volkswagen) nach ihren Wünschen am eigenen PC zu konfigurieren oder bei einer sehr breiten Produktpalette (zum Beispiel bei Stoffen) die Auswahloptionen einzugrenzen. Der deutsche Websitebaukasten Web4Business hält solche Bausteine für diverse Branchen auch als Widgets oder Plugins bereit, darunter zum Beispiel den Brillux Farbdesigner . Erkundigen Sie sich bei Ihren Herstellern und Lieferanten, ob diese solche Tools bereit halten. Oftmals helfen diese auch bei der Integration solcher Tools in die Website Ihres Unternehmens.


 

Autor: Frank Pollack

Fotos: © ra2 studio – Fotolia.com // Tine Casper // Anne Schüller